Decolleté
: : Durs Grünbein : :
Manchmal genügt ein Schlüsselbein,
Der Sturz in ein Augenpaar –
Und Schmerz flammt auf
Über allen Verzicht und Verlust
In einem Menschenleben.
Nun zeigt sich: Es ist sehr kurz,
Gleich vorüber die Hauptsaison.
Vergeben die Chancen, Avancen.
»Letzte Runde«, ruft der Kellner
Und klaubt die Servietten auf.
So leicht erreichbar schien vieles.
Aber nun ist ein Ausverkauf,
Ein Schimmer zwischen Terminen,
Reiseplanung, Zahnprophylaxe
Im Turnus zum Festtagfinale,
Und es gilt, früh zu buchen.
Ein Blick in die Kontaktanzeige:
Es geht um Sehnsuchtsdaten,
Haarfarben und Oberweiten.
Die B-Seite des Lebens
Hat angefangen: Zwölfttonmusik,
Auch für ungeübtere Ohren.
Immerhin wächst die Rührung
Stündlich. Man wünschte, man fiele
Nicht so ganz so tief. Wünschte, man wäre
Wieder das unbeschriebene Blatt.
. . .
Decolleté
: : Durs Grünbein : :
dalla raccolta: Zündkerzen. Gedichte (Suhrkamp 2017)
Basta talora una clavicola,
l’impatto di due occhi –
che divampa il dolore
delle rinunce e perdite
di una vita intera.
Ebbene sì: è tanto breve,
presto finita l’alta stagione.
Esaurite le chances e le avances.
“Ultimo giro” annuncia il cameriere,
raccogliendo i tovaglioli.
Tante mete parevano alla portata.
Ma ora è mera svendita,
miraggi fra scadenze,
pianificazioni di viaggi, profilassi dentale,
alternanze in vista del gran finale del dì di festa,
e bisogna prenotare per tempo.
Uno sguardo alle inserzioni per cuori solitari:
vagheggiamenti di incontri,
tinte di capelli e taglie di seno.
Il lato b della vita
è cominciato: musica dodecafonica,
anche per uditi più inesperti.
Monta non di meno una
smania d’ora in ora: l’auspicio di non
rovinare così in basso. Di tornare
a essere alle prime armi.
. . .
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